Lenkdrachen (auch Stablenkdrachen genannt) sind extrem wenige Freizeitsport Geräte. Sie entwickeln ein rasantes Tempo und verfügen über moderate Zugkraft. Im Gegensatz zu einer großen Lenkmatte sind sie nahezu mühelos beherrschbar. Und dennoch verlangen sie ihren Piloten alles ab, wenn man sie perfekt beherrschen möchte.

Lenkdrachen

Es gibt verschiedene Arten und Formen von Lenkdrachen. Sie sind als Zweileiner, Dreileiner und Vierleiner erhältlich. Historisch betrachtet wurden Drachen bereits im 19 Jahrhundert dazu eingesetzt um Wagen zu ziehen. Ab 1894 machten sich in Not geratene Schiffe bemerkbar, indem sie einen Drachen steigen ließen um auf ihre Position aufmerksam zu machen.

Heute werden Lenkdrachen überwiegend im Sport- und Freizeitbereich eingesetzt. Der Stablenkdrache gilt als Vorreiter der Lenkmatte und der heutigen Kites. Seit 2008 werden mit überdimensionalen Lenkdrachen (Skysails) auch Schiffe gezogen. Von der Motoryacht bis zum Containerschiff wird die Windenergie als zusätzlicher Antrieb genutzt.

Die geläufigste Variante ist der Zweileiner, da dieser besonders einfach zu handhaben ist. Dreileiner zählen zu den Exoten und Vierleiner bieten den zusätzlichen Vorteil, dass man mit Ihnen sogar rückwärts fliegen kann.

lenkdrache

Lenkdrachen fliegen

Die idealen Windbedingungen für einen Lenkdrachen liegen bei ca. 2 bis 6 Bft. Besonders das Fliegen mit den Zweileiner Lenkdrachen ist sehr einfach zu erlernen. Entscheidend für den Einstieg in den Lenkdrachen Sport ist jedoch ein ordentliches Sportgerät. Daher die dringende Kaufempfehlung: Lenkdrachen werden im Fachhandel bzw. von einem Markenhersteller gekauft. Für 15 € sind gibt es keine gescheiten Fluggeräte. Die NoName Drachen vom Discounter werden unter fragwürdigen Bedingungen in Fernost zusammengestellt. Oftmals haben die Hersteller keinen blassen Schimmer von den Flugeigenschaften, die ein Drache mitbringen muss.

Den Lenkdrachen steigen lassen

lenkdrache fliegen lassenFür den Start ist es wichtig, dass der Wind hinter dem Piloten in Richtung des Drachen weht. So befindet sich der Lenkdrachen direkt im Windfenster. Innerhalb dieses Windfenster (die Powerzone) kann der Drache starten und fliegen.

Um den Drachen aufzurichten macht man 2-3 Schritte rückwärts und zieht die Arme nach hinten, am Körper vorbei. Der Drache richtet sich auf und erhebt sich. Das Lenken ist bei einem Zweileiner denkbar einfach. Eine Zugbewegung von 10 bis 20 cm ist völlig ausreichend um den Drachen nach links oder rechts fliegen zu lassen. Geflogen werden üblicherweise Achten.

Um den Drachen zum Landen zu bewegen, genügt es, ihn außerhalb der Powerzone zu manövrieren. Wenn der Drache ca. 90 Grad zum Windfenster steht wird er langsam und gemächlich zu Boden sinken. Kurz vor der Bodenberührung bewegt man sich noch zwei zügige Schritte auf den Drachen zu und er setzt sanft und direkt auf.

  • Zuerst die Leine abwickeln und den Drachen in den Wind stellen
  • Zwei bis drei große Schritte nach Hinten und die Arme nach Hinten ziehen
  • Arme wieder zum Körper führen
  • Zum Lenken jeweils die Leine einer Seite (links oder rechts) verkürzen
  • Zum Landen den Drachen aus dem Wind heraus fliegen

Lenkdrachen Tricks

Lenkdrachen haben ein umfangreiches Repertoire an Tricks. Dabei sind Looping oder Schrauben wirklich nur die einfachen Figuren. Wenn Du mit deinem Lenkdrachen Tricks ausüben möchtest, solltest du auf Modelle mit einem tiefen Bauch achten. Eine ausführliche Sammlung von Tricks mit dem Lenkdrachen stelle ich noch zusammen.

Lenkdrachen für Kinder

Für kleine Kinder eignen sich Einleiner bestmöglich. Hier kann man wenig falsch machen und die Kinder haben sofort ihr Erfolgserlebnis beim Drachenfliegen. Daher sollte man hier Ausschau nach Einleinern halten. Der einzige Nachteil. Einleiner lassen sich nicht lenken. Wenn es schon etwas anspruchsvoller werden darf, gibt es auch für Kinder geeignete Lenkdrachen. Diese zeichnen sich vor allem durch ruhige Flugeigenschaften, wenig Zug und ein sehr robustes Material aus. Das ideale Einstiegsalter gibt es nicht. Verantwortungsbewusste Kinder können ggf. schon ab 8 Jahren mit einem Zweileiner fliegen, wenngleich ich zu einem Alter ab 12 Jahren tendieren würde.

Lenkdrachen Bauanleitung

Do it Yourself ist spätestens durch den Siegeszug von Youtube ein absoluter Trend. Zahlreiche Videos und Tutorials leiten dazu an, sein Fluggerät einfach selber zu bauen. Eine tolle Anleitung bietet das folgende Video zum Lenkdrachen Bau. Sparen tut man beim Lenkdrachen der Marke Eigenbau nur selten, da die erhältlichen Modelle bereits sehr preiswert angeboten werden.

Wenn dir das Video nicht genügt, findest du ein Anleitung von Heimwerker.de in Text- und Bildform. Diese hat die Besonderheit, dass du nicht nähen musst. Alle entsprechenden Stellen werden geklebt, was für den Bau des ersten Drachen mit Sicherheit von Vorteil ist.

Unterschiede Lenkdrache und Lenkmatte

Der Lenkdrache ist der Artist der Lüfte. Durch die Stab Konstruktion ist er weitaus wendiger und schneller als eine stablose Lenkmatte. Lenkdrachen werden nicht selten als Trickdrachen bezeichnet, allerdings gibt es unter ihnen auch Allrounder und Speedkites.

Eine Lenkmatte ist für Einsteiger einfacher zu erlernen und bietet für Fortgeschrittene auch die Möglichkeit sich mit Kite-Buggy, Snowboard oder Mountainboard ziehen zu lassen. Vernünftige Einsteigermodelle sind sowohl bei Lenkdrachen und Lenkmatten ab ca. 30 € erhältlich. Die Fortgeschrittenmodelle liegen bei ca. 80 – 100 €. Profi-Lenkmatten können aufgrund ihrer Größe auch mehrere Hundert Euro kosten.

Die Lenkmatte ist einfacher im Aufbau und kompakter, da keine Stäbe mitgeführt werden. Sie lässt sich einfach zusammenrollen und ihr geringes Packmaß lässt sie auch in kleinen Rucksäcken verschwinden.

Sicherheitshinweise

Damit du deinen Lenkdrachen fliegen kannst, ohne dich und andere Personen zu verletzen beachte folgende Sicherheitshinweise.

  • Das Flugfeld sollte frei von Personen sein
  • Windstärken immer beachten
  • Bei Gewitter wird niemals geflogen
  • Niemals in der Nähe von Stromleitungen Drachensteigen
  • Niemals in der Nähe von Abgründen oder auf Brücken fliegen
  • Materialschaden geht vor Personenschaden

Insbesondere der letzte Punkt ist mir wichtig. Stablenkdrachen und Deltas bauen unheimliche Kräfte auf. Außerdem ist das Gestell und die Drachenenden sehr spitz und scharfkantig. Nicht auszumalen was passiert, wenn der Drache einen Kopf erwischt. Besser ist es, einen Absturz zu provozieren und in Kauf zu nehmen, dass der Drachen Schaden erleidet. Was kann im schlimmsten Fall passieren?

  • Das Gestell des Lenkdrachen zerbricht (der mittlere Stab, auch Kielstab genannt, zersplittert)
  • Die Seitenstäbe (Leitkanten) brechen
  • Das Tuch reißt oder bekommt Löcher (insbesondere auf scharfkantigem Untergrund)
  • Die Leinen reißen bei einem starken Bremsmanöver

Lenkdrachen kaufen

Für einen Lenkdrachen sollten ca. 30 € kalkuliert werden. Wer bis zu 100 € investiert bekommt bereits Profigeräte für gehobene Ansprüche. Beim Lenkdrachen Kauf unbedingt auf einen Markenhersteller zurückgreifen, da diese bei der Konstruktion Wert auf perfekte Flugeigenschaften legen. Ist der Lenkdrache bereits Ready to Fly (RTF) bedeutet dies, das er mit allem Zubehör angeliefert wird, um ihn nach dem Auspacken direkt steigen zu lassen. Dazu gehören der Drache, das Gestell, die Leinen und Schlaufen.

Während ein gutes Gestänge aus leichter Kohlefaser besteht, ist die Beschaffenheit des Drachen oftmals Polyestertuch, Nylon oder Ripstopgewebe. Profis wählen Polyester, da die Lenkeigenschaften hier am Besten zur Geltung kommen.